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Worte des Gebetes nach dem Einſenken des Sarges ge⸗ ſprochen worden. Der friſche Raſen lag ſchon auf den Erdſchollen und der alte Leichenſtein, auf welchem die Grabſchrift des Bergmanns ſtand, war wieder an ſeinem frühern Platze zu den Häupten des Grabes aufgerichtet worden.
Roſamunde las ihrem Gatten die Inſchrift leiſe vor.
Onkel Joſeph war ein wenig von ihnen hinweg⸗ gegangen, während Roſamunde auf dieſe Weiſe beſchäf⸗ tigt war, und allein an dem Fuße des Grabhügels nie⸗
dergekniet. Mit liebender Hand ſtreichelte und klopfte er den friſch aufgelegten Raſen— wie er oft Sara's Haar in den längſtvergangenen Tagen ihrer Jugend ge⸗ ſtreichelt— wie er ſpäter oft ihre Hand geklopft, als ihr Herz entmuthigt und ihr Haar ergraut war.
„Sollen wir den alten verwitterten Buchſtaben, wie ſie jetzt daſtehen, noch einige neue Worte beifügen?“ fragte Roſamunde, als ſie die Inſchrift zu Ende geleſen hatte.„Es iſt noch leerer Raum auf dem Steine übrig. Sollen wir ihn vielleicht mit den Anfangsbuchſtaben des Namens meiner Mutter und dem Datum ihres Todes⸗ tages ausfüllen? Ich fühle etwas in meinem Herzen, was mir zu ſagen ſcheint, daß ich dies thun ſoll, aber nicht mehr.“
„So möge es auch ſein, Roſamunde“, ſagte ihr Gatte.„Dieſe kurze und einfache Inſchrift iſt die an⸗ gemeſſenſte und beſte.“
Roſamunde blickte, während Leonard dieſe Antwort gab, nach dem Fußende des Grabes und verließ ihn auf einen Augenblick, um ſich dem alten Manne zu nähern.


