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Sie ſah den oberſten der beiden Namen an— ſchrak wieder zuſammen— und kehrte dann ſofort zu der erſten Seite zurück.
Zeile um Zeile und Wort um Wort las ſie die Schrift. Ihre natürliche Geſichtsfarbe ſchwand dabei allmälig hinweg und eine fahle, gleichförmige Bläſſe überzog an ihrer Stelle das ganze Geſicht. Als ſie an das Ende der dritten Seite gekommen war, ſank die Hand, in welcher ſie den Brief hielt, ſchlaff herab und ſie wendete den Kopf langſam nach Leonard herum.
So blieb ſie ſtehen. Keine Thräne befeuchtete ihr Auge, keine Veränderung machte ſich in ihren Zügen bemerklich, kein Wort entſchlüpfte ihren Lippen, keine Bewegung änderte die Stellung ihrer Glieder— ſo ſtand ſie, den verhängnißvollen Brief in ihren kalten Fingern zuſammenknitternd und unverwandt, ſprachlos und athemlos ihren blinden Gatten betrachtend.
Er ſaß noch wie ſie ihn vor wenigen Minuten hatte ſitzen ſehen— mit gekreuzten Beinen, die Hände gefaltet und das Geſicht erwartungsvoll nach der Richtung hin⸗ gewendet, in welcher er den Ton der Stimme ſeines Weibes zuletzt vernommen.
Nach wenigen Augenblicken erweckte jedoch die un⸗ unterbrochene Stille im Zimmer ſeine Aufmerkſamkeit. Er veränderte ſeine Stellung— horchte eine Weile, wendete den Kopf unruhig von einer Seite zur andern und rief dann:
„Roſamunde?“
Bei dem Klange ſeiner Stimme bewegten ſich ihre Lippen und ihre Finger faßten das Papier, welches ſie


