Teil eines Werkes 
3. Bd. (1862)
Entstehung
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ihrer Sinne ſtand gleichſam Wache, jede ihrer geiſtigen Fähigkeiten war bis zum höchſten Gipfel der Spannung emporgeſchraubt.

So wartete ſie in der ominöſen Stille, in der öden, ſchauerlichen Einſamkeit auf das unbeſtimmte Etwas, welches das Zimmer enthalten, welches ſichtbar vor ihr auftauchen, welches hörbar neben ihr erklingen, was ſie von oben, von unten, von jeder Seite plötzlich berühren konnte.

Eine Minute oder noch länger wartete ſie athemlos, aber nichts erſchien, nichts erklang, nichts berührte ſie. Das Schweigen und die Einſamkeit hatten ihr Geheim⸗ niß zu hüten und ſie hüteten es gut.

Roſamunde ſah ſich nach ihrem Gatten um. Sein zu andern Zeiten ſo ruhig und gefaßtes Geſicht gab jetzt Zweifel und Unruhe zu erkennen. Seine freie Hand war

ausgeſtreckt und bewegte ſich vorwärts und rückwärts,

auf und ab, in dem vergeblichen Verſuche, etwas zu be⸗ rühren, was ihn in den Stand ſetzen könnte, die Stellung zu errathen, in welche er verſetzt war.

Sein Ausſehen und ſeine Geberde, während er ſo in dieſer neuen und ſeltſamen Sphäre ſtand, die ſtumme Anſprache, die er ſo wehmüthig und ſo unbewußt an die liebende Hülfe ſeines Weibes erhob, gab Roſamunde ihre Selbſtbeherrſchung wieder, indem ihr Herz dadurch zu dem höchſten Intereſſe, was die Welt für ſie beſaß, zu der heiligſten aller ihrer Pflichten zurückgerufen ward.

Ihre nur erſt den Augenblick zuvor ſo mißtrauiſch auf den unheimlichen Anblick der Vernachläſſigung und

des Verfalls, der ſie hier umgab, gehefteten Augen wendeten