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Verwandten vertheilt, das heißt, in deutliches Eng⸗ liſch überſezt, zwiſchen meinem Mann und ſeiner armen bettlägerigen Schweſter, welche das Geld, um dem Advocaten zu genügen, an dem einen Tage förmlich in Empfang nahm, am darauffolgenden aber, um ſich und ihrem Herzen zu genügen, es großmüthig wieder zurückgab. So viel von der einen Hälfte des Vermächtniſſes. Die andere Hälfte, meine Liebe, gehört ganz Dein. Wie ſeltſam des Schickſals Gänge ſind, Magdalene! Es ſind erſt zwei Jahre, ſeit Du und ich als enterbte Waiſen zurückgelaſſen worden waren— und nach Allem dürfen wir jezt das Ver⸗ mögen unſeres armen Vaters zwiſchen uns theilen!“ „Warte noch ein wenig, Nora. Wir bekommen unſern Antheil auf ſehr verſchiedene Art.“ „Immerhin! Ich erhalte meinen Antheil durch meinen Gatten. Du erhältſt den deinigen—“ Sie hielt verwirrt inne und veränderte die Farbe. „Verzeih mir, meine Liebe!“ ſagte ſie, indem ſie
Magdalenens Hand an ihre Lippen drückte.„Ich
habe vergeſſen, was ich hätte im Gedächtniß be⸗ wahren ſollen. Ich habe in meiner Gedankenloſig⸗ keit Dich ſchmerzlich berührt!“
„Nein!“ ſagte Magdalene.„Du haſt mir Muth gemacht.“
„Muth gemacht?“
„Du ſollſt ſehen!“
Mit dieſen Worten ſtand ſie ruhig von dem Sopha auf und trat an das offene Fenſter. Ehe Nora ihr folgen konnte, hatte ſie die Teſtaments⸗ clauſel in Stücke zerriſſen und die Fezen auf die Straße hinausgeworfen.
einnel Liebe,
S Verke ſie ein


