ihren Beſuch zu machen. Wir gebrauchten die kurze uns noch geſtattete Muße um zum lezten Male mit einander das Haus zu durchwandern. Wir nahmen Abſchied von unſrem alten Schulſaale, unſern Schlaf⸗ gemächern, dem Zimmer wo unſere Mutter geſtor⸗ ben, der kleinen Studirſtube wo unſer Vater ſeine Rechnungen zu beſorgen und ſeine Briefe zu ſchrei⸗ ben pflegte; in unſerer verlaſſenen Lage war es uns da zu Muthe, wie andern Mädchen etwa bei der Trennung von alten Freunden. Aus dem Hauſe gingen wir dann, da das Wetter ſich einen Augen⸗ blick aufheiterte, in den Garten und pflückten unſern lezten Blumenſtrauß. Zugleich wurde beſchloſſen dieſe Blumen, wenn ſie zu verwelken anfangen, ein⸗ zulegen und zur Erinnerung an die entſchwundenen glücklichen Tage aufzubewahren. Als wir dem Garten Lebewohl geſagt hatten, blieb nur noch eine halbe Stunde übrig. Wir gingen zuſammen an das Grab, knieten ſchweigend neben einander nieder und küßten den geweihten Grund. Mir war als müßte mein Herz brechen. Auguſt war der Geburtsmonat meiner Mutter, und im vorigen Jahre um dieſe Zeit hielten mein Vater, Magdalene und ich eine geheime Be⸗ rathung, mit welchem Geſchenke wir ſie wohl an ihrem Geburtstagsmorgen überraſchen könnten. „Hätten Sie geſehen wie Magdalene litt, ſo würden Sie nie wieder an ihr zweifeln. Ich mußte ſie beinahe mit Gewalt von der lezten Ruheſtätte unſerer Eltern wegziehen. Che wir aus dem Kirch⸗ hof kamen, riß ſie ſich von mir los und lief zurück. Sie kniete am Grabe nieder, riß leidenſchaftlich eine Handvoll Gras heraus und ſagte zu ſich ſelbſt etwas
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