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dabei nahm ſie eine Priſe Schnupftabak.— Mein Gott! wie gut koͤnnen wir uns doch ſelbſt troſten! „Er iſt ein guter Herr,“ fuhr ſie fort, indem ſie nach dem Kamine zuruͤckkehrte—„und dabei hat er die Thiere ſo lieb. Der Hund Caeſar liegt voch, wie gewöhnlich zu ſeinen Fuͤßen?— o, ich wette,
daß er da liegt, ſtill wie eine Maus. Ich bin ge
wiß, die Thiere wiſſen, ob wir krank ſind, oder nicht. Ach, was wird der Hund beginnen, wenn—“
und die Wärterin hielt inne, und nahm wieder eine
Priſe.
Dieſe unterhaltung verletzte mich, und ich ſchlich mich wieder in das nächſte Zimmer. Welches Still⸗ ſchweigen herrſchte hierz doch das Herz verſteht auch die Sprache des Stillſchweigens!— Ich ging grade auf das Bett zu. L—s Hand lag auf der Decke. Ich ergriff ſie ſanft; der Puls ging faſt unfuͤhlbar leiſe, aber er ſtockte noch nicht ganz. Ich wollte eben die Hand wieder zuruͤckziehen, als L— ſich halb umwendete, und ſie leiſe druͤckte. Ich hoͤrte einen ſchwachen Seufzer, und da ich glaubte, er wache, ſo beugte ich mich uber ihn, um ihm in das Geſicht zu ſehen. Das Licht fiel vom Fenſter her auf daſſelbe, und ich war befremdet— erſtaunt uͤber das milde, himmliſche Lächeln, welches um ſeine Lippen ſchwebte — Aber dieſe Lippen waren von einander getrennt! — Ich fuͤhlte nochmals ſeinen Puls.— RNein— er ging nicht mehr. Ich wendete mich fort mit ei⸗


