284
der ein warm fühlendes und wohlwollendes Herz hat, die Welt verlaſſen kann— an die ueberzeuguug näm⸗ lich, daß die Menſchen allmälig jener vollkommenen Tugend und jenem allgemeinen Gluͤck ſich naͤhern, welche ſeinen edelſten Wuͤnſchen entſprechen.— Die Nacht iſt, nach der alten egyptiſchen Lehre, die fin⸗ ſtere Mutter aller Dinge; mit dem Lauf der Jahr⸗ hunderte aber wird⸗es lichter. Was die Oberfläch⸗ lichkeit fuͤtchtet, das belebt eigentlich die Welt— ich meine der ewige Geiſt des Wechſels. und indem die Egyptier ſich dieſe Wahrheit, vielleicht unbewußt, vergegenwaͤrtigten, ſtellten ſie ihre Dämonen, wie Porphyrius uns erzählt, als auf dem Waſſer ſchwe⸗ bend vor, immer in Bewegung und den großen Fort⸗ gang der Veraͤnderungen leitend.— Wer uͤbernimmt aber leichtſinnig die ſchwere Verantwortlichkeit, die herrſchenden Meinungen ſeiner Generation zu erſchut⸗ tern, wenn er weiß, daß Jahrhunderte voruͤbergehen koͤnnen, bevor das Gute, welches dadurch erreicht wird, das Ueble compenſirt?— Dieſe Beſorgniß, dieſe Aengſtlichkeit des Gewiſſens ſind es, welche uns feige machen in der Gegenwart, und die großen Gei⸗ ſter, welche der Reform den Weg eroffnen ſollten, unthätig und niedergedruͤckt halten, während die un⸗ bedeutendern Geiſter, die Handlanger der Zeit, nur Zoll fuͤr Zoll der dringendſten Nothwendigkeit nach⸗ geben, Jahrhunderte dadurch das Ziel verzoͤgernd,


