littag
( 0
„Mutter,“ ſagte ſie,„es iſt doch was Schönes, daß die Katholiſchen beichten können.“
„Wie meinſt? Was willſt?“
„So einem alten braven Mann, der mit der Welt fertig iſt, ſein Herz ausſchütten, das muß wohl thun. Ich hab's geſehen, wie ich mit dem Vater im Münſter war und einer im Beichtſtuhl gelegen und dann ſo erheitert aufge⸗ ſtanden iſt. Gott kann ja nicht ſelber zu einem reden und einem ſagen: Kind, du haſt dich genug grämt, laß jetzt gut ſein, gieb deinen Kopf her, ich will dich ſegnen; aber wenn ſo ein rechtſchaffener Mann ſeine guten Hände einem auf's Geſicht legt, das muß allen Kummer und allen Gram daraus wegziehen, daß auch keine Spur davon bleibt und man hat Alles hinaus⸗ geſagt und hat's nicht mehr ſo in ſich.“
„Maädle, du erſchreckſt mich, was haſt denn? Du biſt doch heut ſo heiter geweſen? Bin ich dein' Mutter nicht mehr? Darfſt mir nicht mehr Alles ſagen?“
Ein Schluchzen, das von einem an fremdem Körper verborgenen Munde kam, ward vernehm⸗ bar und darauf nach geraumer Pauſe die Stimme der Müllerin:
„Es wird nichts ſo Arges ſein, erzähl' mir nur.“


