Teil eines Werkes 
1. Bd. (1852)
Entstehung
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Ruhe, als er ſich wieder erhob, das Ränzchen aufſchnallte und ein dickes Buch herausholte, er legte aber das Buch ſchnell wieder weg und ſagte vor ſich hin:

Ihr Vögel ſingt den lieben langen Tag und euch macht Niemand eine Freude. Hört mir zu. Ein Schelm giebt mehr als er hat.

Er ſchraubte die ſpitze Zwinge von der Stock⸗ flöte und blies nun mit allerlei Trillern die Weiſung des Liedes:

Vöglein im Tannenwald Pfeifen ſo ſüß, ſo ſüß,

Pfeifen den Wald aus und ein: Wo mag mein Schätzele ſein?

Dann ſetzte er einen ſo luſtigen Ländler drauf, daß alle Bäume zu tanzen ſchienen und die Vögel ſtill in ſich hineinkicherten. Dieſe Neſt⸗ linge der rationellen Beforſtung ſchienen nichts von den arkadiſchen Zeiten zu wiſſen, da ſolcher Flötenklang nichts Seltenes war. Eine Hummel, die ſich, wol in der Vorahnung der kommenden blüthenloſen Tage, ſeit Stunden in dem offenen Kelche einer Diſtel am Wegraine feſtgeſogen hatte, flog von den fremden Klängen erſchreckt murrend auf und ſummte dem Muſikanten an dem Geſicht herum, der nur immer durch Hin⸗ und Herwenden, Neigen und Heben ſie abwehrte.