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werden müſſen, damit die Führer die Kriegskunſt lernen; es fehlt an bewährten und mit Vertrauen geſchmückten Führern. Es iſt kein Geringes, daß das Heer, ohne die Zuverſicht in die Kriegskunſt ſeiner Führer, ſich ſo tapfer hält; ſie müſſen erſt den Krieg im Kriege lernen. Die Südſtaaten ſind dadurch im Vorſprung.
Viel zu denken gibt es mir, ob unſere Gegner mit Hoffnung auf Sieg kämpfen; ich meine, ob ſie ehrlich hoffen, daß, wenn ſie ſiegen, ihr Princip ein dauernd geltendes ſein kann.
Gerade die über alle Grenzen der Menſchlichkeit gehende Er⸗ bitterung, gerade die Rachſucht, mit der ſie kämpfen und die Gefangenen behandeln, ſind mir Zeichen, daß ſie wohl an den Sieg im Kriege glauben, aber nicht an einen Sieg im Frieden. Und da ſtellt ſich mir wieder die Frage: warum muß ein ideell Anerkanntes immer und immer noch mit Blut erkämpft werden?
Es iſt das große Räthſel der Geſchichte.
Es iſt wie im Kleinen und Einzelnen. Der Menſch iſt ein vernünftiges aber noch vorherrſchend leidenſchaftliches Weſen, und immer iſt es die Leidenſchaft, der Affect, der das Einzelleben wie das der Menſchheit gewaltig treibt und erneuert. Amerika hat nicht, wie Goethe ſagte, kein Mittelalter zu beſiegen, wie er auch darin irrte, daß es keine Baſaltlager habe; es bekämpft ſeinen beſonderen Feudalismus. Seine Geſchichte drängt ſich nur wie in einem dramatiſchen Gedicht näher und in kürzeren Zeit⸗ räumen zuſammen.
Amerika hat keine dynaſtiſchen und keine Religionskriege mit⸗ gemacht. Unabhängigkeit war das erſte Moment, aber das kann auch egviſtiſch ſein. Befreiung Anderer iſt das zweite und rein ideale Moment. Aus dem Streben nach Beſitz und Geld, wo materielle Wohlfahrt das Einzige, Letzte und Höchſte war, nun in eine Geſchichtsperiode verſetzt zu ſein, wo man das Leben für eine Idee einſetzen muß, das gibt die Idealität. Jetzt erſt bringt Amerika ſeine Opfergabe in das Pantheon der Menſch— heit. Bisher konnte man ſagen, daß die Geſchichtsgröße Ame⸗ rika's in keinem Vergleiche ſtehe mit ſeiner Naturgröße.
Jetzt erlebt Amerika ins Eins zuſammengedrängt ſeine Völker⸗ wanderung, ſeine Kreuzzüge und ſeinen dreißigjährigen Krieg; es iſt eine Zuſammendrängung der Zeit; ſeine Geſchichte entwickelt ſich im Zeitalter des eleltriſchen Telegraphen.


