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Lieutenant beſonders war ſehr redſelig, und Sonnenkamp ſah ihn immer ſeltſam an, denn er, der doch kein Oeſterreicher war, nannte ihn immer Herr von Sonnenkamp. Eine Muſikbande war im Walde aufgeſtellt und ſpielte ſchöne luſtige Weiſen. Man ſchaute auf nach der Felſengruppe, die nach der Sage ein von Unterirdiſchen ver⸗ ſteinerter Hochzeitszug ſein ſollte.
Bella fragte, zu Erich gewendet, woher dieſe Sage entſtanden ſein möge. Alles hörte aufmerkſam zu, da dieſer erklärte, daß hier eine Variation aus dem Sagenkreis des Tannhäuſer gegeben ſei und daß im Morgendämmer der Erkenntniß eine Rückbildung
von Sagen ſtattfinde, die aus dem Räthſel über Entſtehung unſerer Erde ahnungsvoll ſich ableitet.
Da ertönte plötzlich ein Waldhorn; oben bei den Felſen und unten im Thal zeigte ſich ein überraſchendes Schauſpiel. Eine Bande von Zigeunern, phantaſtiſch gekleidet, brach plötzlich herein, ſpielte wilde Weiſen und vor Allem ein junger Geiger mit blau⸗ ſchwarzen Haaren tanzte und ſprang geigend im Kreiſe. Alles war voll Lob gegen Sonnenkamp, der immer Ueberraſchendes an⸗ zuordnen verſtehe; man wußte nicht, war es Beſcheidenheit oder Wahrheit, da er betannte, er ſei ſelber überraſcht. Ein Blick zwiſchen ihm und Lutz zeigte, daß dies Wahrheit.
Bella ermunterte die Zigeuner zu immer wilderen Weiſen, und als ſie erfuhr, daß die Leute in der Nähe ihre Lagerſtatt aufgeſchlagen hatten, ging ſie mit einigen Frauen und Männern dorthin; auch Roland mußte ſie begleiten. Sie bedauerte, daß Profeſſor Einſiedel nicht da war, der ihr geſagt hatte, daß die Sprache der Zigeuner mit dem Sanscrit zuſammenhänge. Nun fragte Bella ringsumher, ob Niemand von der Geſellſchaft zeichnen fönne. Das magere Pferd, das an einem Heubündel fraß, den Wagen, die alten Frauen, die um ein offenes Feuer ſaßen, mußte ſofort der lange Lieutenant für ſie zu zeichnen verſuchen. Ein wild dreinſchauendes braunes Mädchen, das eine weite Crinoline trug und keck aus einer kurzen Pfeife rauchte, wurde ſchnell der Günſtling Bella's. Sie fand ihre beſondere Luſt an dieſem kecken Weſen. Sie ſchenkte ihm einen bunten Shawl, den ſie ihm ſofort als Turban aufſetzte. Manna ſah nachdenklich drein; die Art, wie Bella die Menſchen als Puppen behandelte, zeigte ſich ihr.
Manna ging mit der Geſellſchaft, aber ſie lebte nur wie träumend. Im Innerſten dachte ſie Alles dieſes bereits als
Auerbach. Landhaus am Rhein. U. 19
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