und Prancken mit dem Cabinetsrath im offenen Wagen durch die Reſidenz nach dem Vergnügungsorte fuhren, wo ſich heute die aus⸗ erleſenſte Geſellſchaft befand; dieſe ſollte die Verbindung Sonnen⸗ kamps mit ihm und dem Cabinetsrath ſofort als Thatſache erkennen.
Auf dieſer Fahrt hatte die Cabinetsräthin einen Gedanken, der ſo gutmüthig als geſcheidt war; ſie gewann eine Adjutantin und half einer armen Frau. Mit erbarmungsvollem Tone ſprach ſie von der Mutter Erichs, die in überſchwenglicher Weiſe ihre Stellung einer ſogenannten idealen Liebe geopfert habe. Das Einverſtändniß zwiſchen der Frau Cabinetsräthin und Prancken war bereits ſo weit gediehen, daß ſie nichts ohne ſeine Zuſtim⸗ mung that; ein leiſes Nicken Pranckens bezeigte ihr, daß ſie weiter gehen dürfe. Sie forderte nun Herrn Sonnenkamp auf, etwas für die Mutter Erichs zu thun, ja ſie wo möglich ins Haus zu nehmen. Auch Tante Claudine wurde im höchſten Grade belobt.
Die Cabinetsräthin war ſich klar, daß die nahe Beziehung zum Hauſe Sonnenkamps ſich viel leichter pflegen ließ, wenn die Profeſſorin und die Tante da wären; man näherte ſich dann ge⸗ wiſſermaßen ihnen und nicht dieſem Manne, man war ſogar ver⸗ pflichtet, ſich den hochangeſehenen Frauen nahe zu halten, um ihnen ihre abhängige Stellung zu erleichtern; das fügte ſich dann Alles ſo leicht, wenn man das Landhaus— natürlich waren mehrere Morgen Weinberge dabei— bewohnte.
So miſchten ſich die Beweggründe, und die Miſchung war gut und belebend.
Sonnenkamp lächelte wohlgefällig, aber innerlich ſagte er ſich: dieſe Adelskette hängt noch feſter zuſammen, als eine Diebesbande, und ſie ſind jetzt auch eine Diebesbande, denn der arme Adel will ſich von mir aufſteifen laſſen.
Er ſtimmte der Cabinetsräthin ſehr freundlich bei, innerlich aber dachte er:
Du haſt das Landgut noch nicht.
Man fuhr an dem Landſitze des Prinzen vorüber, der vor Kurzem aus Amerika zurückgekehrt war. Hier war Alles wohlbe⸗ ſtellt und geordnet. In dem kleinen Pavillon, der in einem Ge⸗ hölz am Wege angebaut war, ſtand ein gedeckter Tiſch; Lakaien warteten in der Nähe.
Aus einem öffentlichen Garten auf der Anhöhe, wo die Garde⸗ Officiere ein Sommerfeſt veranſtaltet hatten, tönte Militärmuſik,


