Berghaupt empor. Die bewaldeten Berge umſchwebte ein violetter Duft, an den ſcharfkantigen nackten Schrofen zitterte der Abendſtrahl, und hoch auf die ſchneebedeckten Firnen breitete ſich ſtill der Hauch des Abendroths, immer höher ſich färbend, während es drunten immer mehr nachtete. Wie durchglüht ſtand die eine große Schneekuppe, und jetzt zog mälig eine Wolke drüber hin und nahm den rothen Schimmer vom Berge mit ſich fort, als wär's ein Schleier, den ſie hob; die Wolke verſchwebte erglühend, und todtenfahl ſtarrten die Schneehöhen. Es war der Anblick eines Geſtorbenen.
Der große Tod zog über die Höhen.
Wer ſo mit ihm verſchwinden könnte im Aether!
Irma ſchauerte, ein fröſtelnder Luftſtrom ſtrich über die Höhe. Sie fuhr ſich mit der Hand über das Antlitz. Sie fühlte, wie auch ſie erblaßt war. Sie ſtand auf, ſtieg höher, um noch einmal den Feuerball zu ſchauen. Sie kam zu ſpät, und laut ſprach ſie:
„Was nützt es, die Sonne zu ſchauen, ob tauſend⸗, ob abertauſendmal, wenn ſie uns doch einmal unter⸗ geht? Und ſie iſt auf ewig untergegangen dem dort unter dem Boden, an deſſen Hand nun die Ver⸗ weſung.—.
Ihr ſchwindelte— ſie ſank nieder ins Moos.
Als ſie ſich wieder aufrichtete, war es Nacht.
Sie erhob ſich und ſchritt mit hoch aufgeſchürztem Gewand hinab in den nächtigen Waldesgrund.


