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Walpurga war ganz glücklich, daß ſie die Königin auch etwas lehren konnte; ſie hatte das Gefühl, daß ſie etwas ganz Beſonderes iſt im Schloſſe, und Nie⸗ mand verſteht ſie ſo und hört ſo gut mit den Augen, wie die Königin. Sie war immer glücklich und froh mit ihr und wagte, ihr ganzes Herz vor der Königin aufzumachen.
„Ich mein'!“ ſagte ſie einmal der Königin,„ich mein', Sie ſind eigentlich fremd in der Welt, Sie haben ja in Ihrem Leben nicht geſehen, wie Bürgers⸗ und Bauersleute am Abend in ihrer Stub' ſitzen, was ſie eſſen, was ſie reden, was ſie begehren, was ihnen Freude macht und was ihnen Leid macht. Ich hab' einmal eine Geſchichte geleſen, oder hat ſie mir mein Vater erzählt; da war ein Prinz und eine Prinzeſſin, die ſind als Hirtenleute aufgewachſen und haben nicht geahnt, wer ſie ſind, bis ſie erwachſen waren, und da hat man ihm geſagt:„Du biſt ein Prinz,“ und ihr: „Du biſt eine Prinzeſſin,“ und das ſind gar brave und rechtſchaffene Menſchen geworden. Natürlich! Sie ſind ja draußen geweſen in der Welt und haben er⸗ fahren, wie die Menſchen leben und was ihnen fehlt. Ich möcht' nur wünſchen, daß wir unſern Prinzen auch ſo hinausſchicken könnten; ich mein“ es wär' ihm gut und dem ganzen Land auch. Wenn Einem immer ſo die Bedienten nachlaufen, da iſt man doch den ganzen Tag wie gefangen, die lebendigen Menſchen ſind immer wie Mauern um Einen herum.“
„Ehrlich und gut ſein können wir Alle,“ entgeg⸗ nete die Königin.
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