Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

154

pie Verſchleierte und fragte im ſchalkhaften Tone:„Vermagſt Du trotz des Schleiers dieſe Dame zu erkennen?“

Statt Antwort trat Elviro der Ver⸗ ſchleierten näher, redete ſie verbindlich an und ſprach:„Sie ſind, wie ich richtig ver⸗ muthe, die Gattin meines Freundes, und da ich ſo gut gerathen habe, ſo werden Sie mir

hoffentlich die Freiheit erlauben, den neidi⸗ ſchen Schleier entfernen zu dürfen?“ Schnell zog er jetzt den Schleier hinweg und— wer vermag die Gefühle der Freude, der Wonne und des Entzückens zu ſchildern, welche in dieſem Augenblick ſein Herz be⸗ ſtürmten, als er in der Entſchleierten ſeine geliebte theure Schweſter erkannte, nach der er ſich ſchon mehrere Jahre geſehnt hatte. „Gott, iſt es möglich! Schweſter! Bru⸗ der!“ ſtammelten die Entzückten und ſanken einander ſprachlos in die Arme. Apollonia und Müller traten jetzt auch herzu, umſchlan⸗ gen die Glücklichen, und theilten mit ihnen die ſelige Wonne des Wiederſehens. Nach⸗ dem die höchſte Wonne der liebevollen zärt⸗ lichen Ergießungen vorüber war, ſchlang Apollonia ihren Arm um Müller, der ſie ebenfalls zärtlich umfaßte und rief ihrem beglückten Gatten zu:„Du ſollſt nicht alleiz das Glück genießen, eine Schweſter gefunde 3 1 Mir iſt ein gleiches Loos be

umarme ich meinen Bruder!