„Morgen früh.“
„Natürlich wird die Leiche in unſerer Familiengruft beigeſetzt?“
„Daß hedarf keiner Frage.“
„Allerdings nicht, Du haſt Recht,“ ſazte Baron Edmund, dem dieſe Unterhaltung, er wußte ſelbſt nicht warum, immer peinlicher wurde.„Ich werde mich einfinden, um ihm das letzte Geleit zu geben. Wer hätte das damals gedacht, als er Abſchied von uns nahm! Aber ich habe ihn immer gewarnt und auf die unausbleiblichen Folgen ſeines Leichtſinns aufmerkſam gemacht. Du wirſt doch den Mörder verſolgen laſſen?“
„Ich?“ erwiederte Udo, den Bruder feſt anblickend.„Was hätte ich davon? Es bleibt ſo mancher Mord unentdeckt, daß es auf einen mehr oder weniger nicht ankommt, und der Schauplatz des Verbrechens iſt überdies zu weit von hier entſernt.“
„Die römiſche Polizei müßte das übernehmen.“
„Man hat mir geſagt, ſie werden nichts entdecken, und ich habe nun Aufregungen genug gehabt.“
„Aber Adelaide—“
„Sie denkt in dieſem Punkte wie ich. Die Beſtrafung des Mörders kann unſern Sohn nicht in's Leben zurückrufen, und ich habe keine Luſt, nach Rom zu reiſen und Nachforſchungen anzuſtellen, die möglicherweiſe zu keinem Reſultat führen.“
Der Majoratsherr ſchlug die Augen nieder, der glühende Blick des Bruders, der unverwandt auf ihm ruhte, war ihm un⸗ angenehm.
„Du mußt das natürlich ſelbſt wiſſen,“ ſagte er.„Man ver⸗ zichtet nicht gerne auf die Genugthuung, die ein ſolches Verbre⸗ chen gebieteriſch fordert.“
„Sehr wahr, und deshalb wird auch von Seiten der Be⸗ hörde Alles aufgeboten, den unbekannten Thäter räthſelhafter Verbrecher zu entdecken. Man hat neuerdings den Selbſtmord Hurters in Frage geſtellt und die Unterſuchung wieder aufge⸗ nommen.“
„Wer hat Dir das geſagt?“
„Man bringt dieſen plötzlichen Todesfall mit der Ermordung Benders in Verbindung.“
„In welcher Weiſe?“ fragte der Majoratsherr höhniſch.
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