Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 3. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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Blauſäute enthalten hat, muß ſich ja Jedem aufdrängen. Hätte der Vaſtorbene ſelbſt ſich das Leben genommen, ſo würde er ge⸗ wiß nicht daran gedacht haden, das Flacon zu entfernen, für ihn lag ja dazu keine Veranlaſſung vor.

Sie wohnen im Zimmer nebenan? wandte der Unterſuchungs⸗ richter ſich zu der früheren Schauſpielerin.

Jawohl.

Bitte, treten Sie näher. Ihr Name?

Florentine Winkel.

Stand?

Ich war früher Schauſpielerin und lebe jetzt von meinen Renten.

Sie haben den Verſtorbenen gekannt?

Seitdem er hier wohnte.

Womit beſchäftigte er ſich?

Er las und ſchrieb, ging häufig ſpazieren und ſuchte die Zeit todtzuſchlagen ſo gut er es vermochte.

Empfing er oft Beſuche?

Nein. Der Herr Polizeirath und ein andrer älterer Herr kamen dann und wann.

Kennen Sie dieſen älteren Herrn?

Nein

Es war der Verwalter des Majoratsherrn von Oſthofen, ſagte der Polizeirath.

Können Sie das mit Sicherheit behaupten? fragte der Un⸗ terſuchungsrichter.

Jawohl, Herr Gerichtsrath, ich bin mit dem Verwalter hier ſchon zuſammengetroffen. Daß auf ihn ein Verdacht fallen kann, glaube ich nicht, Hurter war mit dem Manne befreundet.

Hörten Sie geſtern Abend kein Geräuſch in dieſem Zimmer? fragte der Gerichtsrath ſich wieder zu der Schauſpielerin wendend.

Nein. Ich hörte allerdings, daß er Beſuch empfing

Wann war das?

Etwas nach ſieben Uhr.

Und dann vernahmen Sie einen Wortwechſel

Nein, nein, ich hörte weiter gar nichts. Ich ſtand im Be⸗ griff auszugehen, und es war mir auch ſehr gleichgültig, wer meinen Nachbar beſuchte.