Druckschrift 
Der Bastard oder eine Mutter aus dem Volk und der Mann von Adel. 3. Bd.
Entstehung
Düsseldorf [o.J.]
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32. Kapitel.

Getäuſchte offnungen.

In fieberhafter Erregung erwartete Baroneſſe Adelaide an die⸗ ſem Morgen den Hofmeiſter, von dem ſie über ihr verlorenes Kind endlich Auskunft zu erhalten hoffte.

Baron Udo hatte Anfangs ſeiner Gattin die Begegnung mit dieſem Manne und die von ihm erhaltenen Mittheilungen ver⸗ ſchweigen wollen, aber nach einigem Nachdenken hielt er es für beſſer, ihr Alles zu ſagen, damit ſie auf das Folgende vorberei⸗ tet war.

Und alle Zweifel, die er ſelbſt noch hegte, wurden von dem Mutterhe zen verworfen, welches mit ſeiner ganzen Kraft ſich an dieſen Hoffnungsanker klammerte.

Sie hatte ja immer an dem Glauben feſtgehalten, Cäcilie müſſe noch leben, und die Mittheilungen des Hofmeiſters ent⸗ ſprachen in jeder Weiſe den Vermuthungen, die in mancher trüben Stunde, ſo mancher ſchlafloſen Nacht in ihrer Seele auf⸗ geſtiegen waren. Wie hätte ſie jetzt noch zweifeln können!

Joſeph hatte das Frühſtückgeſchirr abgeräumt, die Baronin warf einen Blick auf die Penduluhr, die auf der Marmorconſole vor dem Spiegel ſtand.

Baron Udo hatte die Hände auf den Rücken gelegt, er wan⸗ derte in Nachdenken verſunken auf und nieder.

Ich will ja gerne zugeben, daß er mir die lautere Wahrheit geſagt haben kann, nahm der alte Herr nach einer Weile das Wort,aber auf der anderen Seite iſt es auch möglich, daß er mich hinter das Licht geführt hat.