Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

230

Nachdem er ſeine Tafel aufgehoben hatte, ſchritt er bei zunehmender Dunkelheit im Zimmer auf und nieder. Es iſt ein bekannter Spruch:Die Nacht iſt keines Men⸗ ſchen Freund! aber wir glauben nicht, daß damit ge⸗ meint ſein ſoll, die Zeit der Nacht ſei mehr unheilbringend, hinterliſtiger, verrätheriſcher dem Menſchen geſinnt; es mag ſein, daß man ſich eher anſtößt, ſtolpert, fällt, aber wer gute Augen hat und ſich vorſieht, hat dieſes bei Nacht ſo wenig als bei Tagezeit zu befürchten; es mag ſein, daß Diebſtähle und Einbrüche in wohl verſchloſſene Häuſer häufiger bei Nacht geſchehen; aber die größeren Diebſtähle, wir meinen die betrügeriſchen Bankrotte, die Eiſenbahn⸗ aktien⸗Schwindel und andere derlei Schurkereien en gros, wie die alte und neue Welt jetzt im edlen Wetteifer auf⸗ weiſt, ſind keine Werke der Nachtzeit, um kurz zu ſein: wir ſehen nicht ein, was dem Menſchen zur Nacht mehr Uebles widerfahren ſollte, als am hellen Tage; aber das eine iſt wahr: daß man zur Nachtzeit Alles ſchwarz ſieht, ſowohl mit dem körperlichen als mit dem geiſtigen Auge, und eben was dieſes letztere Schwarzſehen betrifft, da dürfte das Sprichwort:Die Nacht iſt keines Menſchen Freund, ſeine Erklärung finden; denn derjenige iſt nicht mein Freund, der mir kleine Sorgen vergrößert, der ſtatt mich zu tröſten und aufzumuntern, immer tiefer in meiner gei⸗ ſtigen Entmuthigung ſinken läßt. Unſer junger Freund