Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

179

daher wir es vorziehen, hier nur Auszüge aus dieſen Briefen zu geben.

Erſter Auszug. Chateau Hautbrien.

Ich ſoll ein Tagebuch ſchreiben und es Dir, liebe Helene in den einzelnen Blättern, wie es niedergeſchrieben iſt, zuſchicken, ſo wünſcheſt Du es, und ich erfülle gern den Wunſch meiner erſten und einzigen Freundin. Aber mache Dich gefaßt, meine Liebe, Du wirſt ein wunderliches Durcheinander zu leſen bekommen, denn ich fühle mich durchaus unfähig, mich an irgend eine Form zu halten, auch iſt mein Leben jetzt ſchon, ſo jung ich bin, mit zu abenteuerlichen Ereigniſſen durchflochten, als daß ich Dir davon mit Ruhe und in gemeſſener Ordnung erzählen könnte. Nimm es daher, wie ich es Dir gebe, und er⸗ laube mir zu plaudern, wenn mich meine Empfindungen dazu hinreißen. Wenn ich aber von abenteuerlichen Ereigniſſen ſpreche, ſo glaube ja nicht, daß ich darüber un⸗ zufrieden bin, wenn ich es ſagen würde, würde ich lügen, und eine Lügnerin möchte ich, am wenigſten Dir gegenüber, nicht ſein. Ich kann mich in ein ruhiges Alltagsleben gar nicht hineindenken, in dem ſo viele geboren werden, heirathen, Mutter einer zahlreichen Familie werden, und

12*