Teil eines Werkes 
Entstehung
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Die Erkundigungen, welche Moritz bei Tekla, um Klara's Aufenthalt zu erfahren, einzog, blieben frucht⸗ los. Doch rieth ſie ihm, ſich nach Rotterdam zu be⸗ geben, wo ſie vermuthe, daß Klara ſich noch verborgen aufhalte, und ihr ſeine Hülfe, ſich aus Holland zu ent⸗ fernen, anzubieten. Er zeigte ſich um ſo mehr dazu bereit, weil Emma Tekla's Bitten beiſtimmte. Dieſe gab ihm ein Schreiben an Hans Jochems, einem berüchtigten Geizhalſe in Rotterdam, bei dem er aber nicht leicht Zutritt erhalten würde. Verweigere er ihn ihm aber durch⸗ aus, dann möge er,ihm nur folgende Worte ſagen: Iſt es Euch nicht angenehm, daß die Eulen Euch ein Schlaflied ſingen? dann könne er gewiß ſeyn, daß er ihm ſeine Thüre öffnen würde, und nach Einhän⸗ digung des Briefes Alles von ihm erlangen, was er ihm zu leiſten im Stande ſey. Ob dies ihn aber zum Ziele führe, wiſſe ſie nicht.

So auegerüſtet begab ſich Moritz nach Rotter⸗ dam in ſein altes Abſteigequartier, und nachdem das Haupt⸗ und in jetzigen Zeiten einzige Thema der Unter⸗ haltung, die Verſchwörung, abgehandelt war, erkundigte er ſich bei Held, ob er Hans Jochems kenne und deſſen Wohnung wiſſe. Lachend ſagte ihm dieſer, daß Jochems in der ganzen Stadt als der ſchmutzigſte Geiz⸗ hals bekannt wäre, obgleich er früher, als er noch ſeine Handthierung als Geigenſpieler getrieben, oft in einem Abende mehr verzehrt habe, als in einer Woche verdient. Sein Stammgaſt, der Veteran, welcher auch jetzt zugegen war, ſey ſein Vetter, und der würde ihn gewiß gern nach Jochems Wohnung führen. Moritz wandte ſich deßhalb an den Veteran, und dieſer erklärte ſich ſogleich willig, um ſo mehr, da Melchiors Gewäſch über alle vorgenommenen

Arreſtationen ihn langweilte. Unterwegs erzählte van

Thienen, daß ſein Vetter Hans in früheren Zeiten

ein munterer Compan geweſen wäre, doch ſeit er uner⸗

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