Teil eines Werkes 
Entstehung
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reichliche Geſchenke erkauft hatte, und auch das Geheim⸗ niß treu bewahrten, wieder völlig in Stand ſetzen, und zierte ſie ohne beſondere Abſicht mit den Koſtbarkeiten, welche mir durch die Crbſchaft zu Theil geworden waren. Hier nahm ich den Namen der Stammfrau der Kam⸗ minga's, Tekla an, und wußte mich ſtets in einen ſo geheimnißvollen Schleier zu verhüllen, daß man mir übernatürliche Kräfte zuſchrieb. Dieſe Meinung gewann noch dadurch an Kraft, daß man mich als eine hochbe⸗ jahrte Frau auf der Inſel hatte erſcheinen ſehen, wo ich ſo viele Jahre nachher noch zubrachte, ſo wie die Reich⸗ thümer, welche ich beſaß, wodurch ich plötzlich von der Inſel verſchwunden war und wieder dahin zurücktehrte, ohne daß es ſich Jemand erklären konnte. Trotz meiner Seelenleiden ſchien meine phyſiſche Konſtitution weder durch die Jahre noch durch Strapatzen geſchwächt wer⸗ den zu können.

Mit den Jahren erwachte auch das Verlangen immer mehr in mir, in der Nähe meiner Verwandten zu ſeyn. So umſchwebte ich Dich oft, Friedrich, und bekräftigte an Moritzens Tauſtage durch meine Worte Dein väterliches Gebet. Dann hielt ich mich gewöhn⸗ lich in dem alten Thurme zu Rotterdam auf, wovon der Aberglaube die Menſchen fern hielt. Manchmal und lange Zeit traute ich mir ſelbſt die übernatürlichen Kräfte zu, den Schleier der Zukunft zu lüften, welche der ver⸗ blendete Volkshaufen mir zuſchrieb, ja ich wähnte ſogar über die Umſtände nach Willkühr verfügen zu können. Dadurch kam mir der Gedanke, den letzten Zweig ünſeres ſo ruhmreichen Geſchlechts als einen Schutzengel zu um⸗ ſchweben. Eine nicht zu erklärende Ahnung ſagte mir, daß ſeine Jugend von großen Gefahren umgeben ſeyn würde, aber daß er es auch wäre, der den Fluch von unſerer Familie hinwegräumen würde. In ſo fern we⸗ nigſtens hat mich meine Ahnung nicht getänſcht.

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