Erſtes Kapitel.
Widmung und Einleitung.
Unfre Jugend gleicht dem Traume des Jägers am Hügel der Heide. Er ſchläft in der Mitte der Strahlen der Sonne; er erwacht in der Mitte des Sturms; die rothen Blitze fliegen umher: Bäume ſchütteln ihre Häupter im Wind! Er ſchaut mit Freude nach dem Tage der Sonne, und den reizenden Träumen ſeiner Jugend zurück! Oſſians Krieg von Inisthona.
Wem ſollte ich dieſe Blätter wohl widmen wollen, wenn nicht Dir, meine geliebte Henriette, Dir der Geſpielin meiner früheſten Kindheit, der treueſten Freun⸗ din meiner Jugend, von deren zärtlicher Theilnahme mir bis jetzt die deutlichſten Beweiſe wurden. Das geheiligte Band des Blutes, der theure Name Bruder und Schwe⸗ ſter, welcher uns mit einander verbindet, ſollten ſchon allein genügen, uns innig zu lieben. Doch es beſtehen noch andere Beziehungen unter uns, welche den von der Natur geſchlungenen Knoten noch immer feſter zuſammen⸗ ziehen. Und ſollte ich mich täuſchen, meine Liebe! wenn ich die gegenſeitige Erinnerung an unſere erſte Jugend, an die überaus ſchönen Tage unſrer Kindheit, welche wir in ungetrübter Freude zuſammen verlebten, zu dem rechne, was uns ſo feſt verbunden hat?— Nein gewiß nicht! Ich halte mich überzeugt, daß Du auch hierin meine Ge⸗ fühle theilſt. Nie gedenke ich dieſer unvesgeßlichen Zeit, wo nicht Deine Geſtalt mir vorſchwebt, bald in dem lachenden Gewand der Kindheit, bald mit dem unſchul⸗ digen Erröthen der ſo eben aufkeimenden Jugend, aber ſtets mit warmer ſchweſterlicher Liebe dem Bruder zuge⸗


