212 Schloß Windſor.
ſchöner Rehe trafen, ſo gab der König doch keinen Befehl, die Hunde loszulaſſen.
Endlich kamen ſie in den Theil des Parks, wo jetzt das Sandpit⸗Thor ſteht und indem ſie einen von edlen Bäu⸗ men eingefaßten Pfad verfolgten, ſprengte plötzlich ein ſchöner Rehbock aus ſeinem Lager auf, dem der König den Jägern und andern Anweſenden nachzuſetzen befahl, wobei er hin⸗ zufügte, daß er ſelbſt nach dem Schneehügel reiten wolle und ſie dort binnen einer Stunde erwarte.
Alle begriffen, weshalb der König allein zu ſein wünſchte und in welcher Abſicht er ſich auf die genannte Anhöhe be⸗ geben wollte, und die ganze Geſellſchaft machte ſich daher ohne ein Wort zu ſagen auf die Jagd.
Unterdeſſen ritt Heinrich langſam durch das Gehölz, oft ſtillſtehend, um den entfernten Lauten der Jäger zu lauſchen, und die Schatten auf dem grünen Raſen beobachtend, wie ſie kürzer wurden und die Annäherung der Mittagsſtunde verkündeten. Endlich kam er auf dem Schneehügel an und verweilte unter den Bäumen auf ſeinem Gipfel.
Von dieſer Stelle beherrſchte man eine prachtvolle Aus⸗ ſicht auf das Schloß, das über dem Schmuck ſeiner nun mit dem lebhafteſten Grün belaubten Wälder hervorragte. Der Morgen war ſchön und glänzend, der Himmel klar und ein gelinder Regen, der die Luft gereinigt und Laub und Raſen erfriſcht hatte, war über Nacht gefallen. Die Vögel ſangen luſtig in den Bäumen und am Fuße des Hügels hatte ſich ein Rudel Rehe gelagert. Alles war voll Munterkeit und Entzücken, Milde und Frieden athmend, und hätte das ver⸗ härtetſte Herz erweichen können.
Auch war die Landſchaft nicht ohne Wirkung auf Hein⸗ rich, aber ein wilder Aufruhr tobte in ſeinem Innern. Er heftete ſein Auge auf den Runden⸗Thurm, der deutlich ſicht⸗


