Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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21⁰ Schloß Windſor.

Ich halte ſie für ziemlich hübſch, Freund, antwortete Heinrich.

Aber im Vergleich mit der ſeligen, das heißt, mit der jetzigen Königin; denn, armes Geſchöpf! ſie hat noch einige Stunden zu leben! verſetzte Shoreditch.Wie, im

Vergleich mit ihr?

Nun, ich denke, Johanna Sehmvur iſt die liebenswür⸗ digſte von beiden, ohne Zweifel, antwortete Heinrich.Aber ich mag vielleicht ein Vorurtheil für ſie haben.

Nicht im mindeſten, Freund, ſagte Cutbeard.Ihr ſtimmt ganz mit der Laune Eures königlichen Herrn überein. Johanna Seymour iſt ohne Zweifel ſehr ſchön, und das war Anna Bolehn auch. Meiner Seel, wir werden manch hübſche Königin auf dem Thron ſehen. König Heinrich hat guten Geſchmack und weiß ſich zu helfen. Er gibt ſeinen Unterthanen ein rares Beiſpiel und zeigt ihnen, wie man läſtige Weiber vom Halſe ſchafft. Wir wollen alle unſere Ehehälften fortjagen oder hängen, wenn wir ſie müde ſind. Ich wünſchte beinahe, ich wäre ſelbſt verheirathet, um den Verſuch machen zu können ha! ha!

Nun, hier iſt auf die Geſundheit des Königs! ſchrie Shoreditch;und wünſche ihm ſo viel Weiber, als er Luſt hat. Was meint Ihr, Freund? ſetzte er zu Heinrich ge⸗ wandt hinzu.Wollt Ihr darauf nicht mit anſtoßen?

Das will ich, erwiederte Heinrich;aber ich denke, der König wird ſich fürs erſte mit Fräulein Johanna Sey⸗ mour begnügen.

Fürs erſte, ohne Zweifel, ſagte Hektor Cutbeard; aber die Zeit wird kommen, und das wohl bald, wo Johanna ihm eben ſo unbequem ſein wird, als Anna ihm jetzt iſt.

Ha! bei Gottes Wunden, Schurke! was erfrechſt du dich, da zu ſagen? rief Heinrich wüthend.