208 Schloß Windſor.
Norfolk, der zum Lord Oberrichter für dieſe Gelegenheit er⸗ nannt worden war, und vor ſechsundzwanzig Peers ſtatt. Der Herzog hatte ſeinen Sitz unter einem Thronhimmel, und unter ihm ſaß der Graf von Surrey, als beigeordneter Grafmarſchall.
Trotz einer beredten und eindringlichen Vertheidigung
ward Anna ſchuldig befunden; und nachdem ſie ihre Krone und andre Abzeichen des Königthums hatte ablegen müſſen, ward ſie verurtheilt, nach Belieben des Königs verbrannt oder enthauptet zu werden. Am nächſten Täge ward ſie in den erzbiſchöflichen Palaſt zu Lambeth gefordert, wohin man ſie im Stillen brachte; und ihre Ehe mit dem König ward von Cranmer für null und nichtig erklärt, wie ſie es von Anfang an geweſen ſei. Der Tod durchs Beil war das vom König über ſie verhängte Urtheil und der zur Vollſtreckung deſſelben anberaumte Tag war Freitag, der neunzehnte Mai, um die Mittagsſtunde. Die Anordnung der verhängnißvollen Ceremonie dem Herzog von Suffolk überlaſſend, welcher Befehl hatte, einen Signalſchuß von der Spitze des Weißen Thurms abfeuern und auf verſchiedenen Punkten beantworten zu laſſen, wenn Alles vorüber wäre, begab ſich Heinrich am Donnerſtag Abend nach Schloß Windſor. Vor dieſer Zeit hatte er Johanna Seymour förmlich ſeine Hand angetragen, und während die unglückliche Königin im Tower ſchmachtete, ſonnte er ſich im Lächeln ſeiner neuen Geliebten und zählte die Stunden, bis er ſie die Seinige nennen konnte. Am Dienſtag vor der Todesvollziehung zog ſich Johanna Seymour auf ihres Vaters Landſitz, Wolff⸗Hall in Wiltſ hire, zurück, wo die Vor⸗ bereitungen zur Trauung, welche dort im Stillen am Sonn⸗ abend ſtattfinden ſollte, getroffen wurden.
Bei ſeiner Ankunft im Schloß ließ Heinrich ausſprengen,
daß er am nächſten Morgen im großen Park jagen wollte,


