Teil eines Werkes 
2. Theil (4. - 6. Buch) (1844)
Entstehung
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206 Schloß Windſor.

Nun denn, offen, antwortete der Herzog,Eurer Hoheit Verfahren wird für grauſam und unverantwortlich gehalten. Die allgemeine Meinung iſt, daß Ihr Anna nur auf die Seite bringen wollt, um Fräulein Johanna Seymour Platz zu machen.

Ha! wirklich! ſprechen ſie ſo? rief der König.Ich werde ihr unverſchämtes Geſchwätz bald zum Schweigen bringen. Sagt Allen, die ein Wort über dieſen Gegenſtand gegen Euch fallen laſſen, daß ich die Königin längſt wegen einer geheimen Neigung für Norris im Verdacht hatte, daß ich aber meinen Argwohn zu verbergen beſchloß, bis ich ge⸗ nügende Gründe dafür hätte. Dieſe ſind mir, wie Ihr wißt, vor einigen Wochen geworden. Ich wartete jedoch auf einen Vorwand, um gegen ſie zu verfahren, und ihre eigne Un⸗ vorſichtigkeit hat ihn mir heute geliefert. In der Erwartung, daß etwas vorfallen würde, hatte ich meine Vorbereitungen

getroffen und ich habe mich nicht getäuſcht. Ihr könnt auch hinzufügen, daß ich den ſchimpflichen Flecken auf meinem

Namen nicht eher für ausgemerzt halten werde, als bis meine Ehe aufgelöst, Anna's Nachkommenſchaft für unehelich erklärt und ſie ſelbſt enthauptet iſt.

Hat Eure Majeſtät mir noch etwas zu befehlen? fragte Suffolk.Ich habe Norris in ſein Gefängniß be⸗ gleitet, ehe ich Euch entgegenritt.

Laßt ihn unter ſtarker Bedeckung ſogleich nach dem Tower bringen, ſagte Heinrich.Lord Rochford, denke ich, iſt ſchon abgeführt worden?

Ja, Sire, erwiederte der Herzog.Soll ich Eure Majeſtät nach Eurem Gefolge geleiten?

Es iſt nicht nöthig, antwortete der König.Sie warten nicht weit von hier am Fuß der Datchetbrücke auf mich. Lebt wohl, mein guter Bruder; habt wohl auf Eure