12 Schloß Windſor.
aus einem Hirſchſchädel gebildet, von dem ein großes Geweih
emporſtrebte, an ſeinem linken Arme hing eine ſchwere roſtige
Kette, in deren Gliedern das erwähnte phosphoriſche Feuer glühte, während auf ſeiner rechten Fauſt eine große ge⸗ hörnte Eule mit geſträubtem Gefieder und rothen glotzenden Augen hockte.
Nit den abergläubiſchen Gefühlen jenes Zeitalters er⸗ füllt, konnte der junge Graf, im vollen Glauben, daß er ein überirdiſches Weſen vor ſich ſähe, trotz ſeines angebo⸗ renen Muthes, den keine gewöhnliche Begebenheit erſchüttert haben würde, kaum einen Schrei unterdrücken. Sich bekreu⸗ zend ſagte er mit großer Inbrunſt ein Gebet gegen böſe Geiſter her, und ſo wie er es aus ſprach verlöſchte das Licht und die geſpenſtiſche Geſtalt verſchwand. Er hörte das Klirren der Kette, begleitet vom Gekreiſch der Eule— dann kam eine entſetzliche Lache— dann ein grauſenvoller Klage⸗ ton, und alles war ſtill.
Bis zu dieſem Augenblick hatte der junge Graf wie feſtgebannt ſtillgeſtanden, aber in der Ueberzeugung, daß der Geiſt nun entflohen ſei, drang er vorwärts und binnen wenig Augenblicken hatte er ſich dem Geniſte entwunden. Der Vollmond war im Aufgehen, als er ins Freie trat, und beleuchtete die Lichtungen und Fernſichten, und die Ruhe und Schönheit der vor ihm liegenden Scene bildete einen wunderbaren Gegenſatz mit der ſchreckvollen Erſcheinung, die er ſo eben geſehen hatte. Einen ſchaudernden Blick auf die Geſpenſterſchlucht zurückwerfend, war er grade im Begriff, dem Schloſſe zuzueilen, als eine hohe, blitzgefurchte, einſame Eiche in geringer Entfernung von ſeinem jetzigen Standpunkte ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich zog.
Dies war gerade der Baum, an den ſich die ſpukhafte
Sage von Herne, dem wilden Jäger, knüpfte und dem ſich
zu nähern der Hauptmann Bouchier ihn gewarnt hatte; und


