Erſtes Buch: Anna Boleyn. 11
der St. Georgen⸗Capelle, die hinter den erwähnten Thürmen hervorragte, mit Glut, jedoch mit dieſer Ausnahme ſah der ganze mächtige Bau kalt und grau aus.
In dieſem Augenblicke öffnete ſich das obere Thor und Hauptmann Bouchier kam mit ſeinem Gefolge hervor und ritt über die Zugbrücke. Die Curfew⸗Glocke läutete dann, die Zugbrücke ward aufgezogen, die Reiter verſchwanden, und in der tiefen Stille erreichte kein Laut des Lauſchers Ohr außer dem gemeſſenen Tritte der Wachen auf den Wällen.
Der junge Graf machte keinen Verſuch, ſeine Leute ein⸗ zuholen, ſondern nachdem er das alte Gebäu betrachtet hatte, bis ſeine Zinnen und Thürme im Zwielicht verſchwammen, ſchlug er einen Fußſteig quer durch den Park nach Datchet ein und verfolgte ihn, bis er ihn in eine mit Dornen, Stech⸗ palmen und Unterholz angefüllte, von mächtigen Eichen über⸗ ſchattete Schlucht führte, in welche er ſich ohne Zaudern vertiefte und bald den abgelegenſten Theil derſelben erreichte. Hier war das Dunkel wegen der Dichte der Stechpalmen und des umherragenden Gezweiges anderes überhängenden Gehölzes, verbunden mit dem ſchwanken Lichte von oben, faſt undurchdringlich, und er konnte kaum einen Schritt weit um ſich ſehen. Nichts deſtoweniger drang er ohne Anſtand vor mit einer Art von angenehmer Empfindung über die Schwierigkeiten, welche ſich ihm entgegenſtellten. Plötzlich jedoch ſtutzte er über ein blaues phosphoriſches Licht, das durch die Büſche zur Linken ſtrömte, und aufblickend ward er am Fuße einer ungeheuren Eiche, deren rieſige Wurzeln wie verflochtene Schlangen aus dem Boden hervordrangen, einen ſeltſamen, geſpenſtiſchen Gegenſtand gewahr, der einige entfernte Aehnlichkeit mit einer menſchlichen Geſtalt beſaß und deſſen hagere und gebräunte Gliedmaßen, ſo weit er es unterſcheiden konnte, wunderlich mit Thierhäuten bekleidet waren. Auf ſeinem Kopfe ſah man eine Art von Helm,


