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Erſtes Buch: Anna Boleyn. 9
geſchehen,“ erwiederte der Graf,„denn ich beabſichtige einen einſamen Spaziergang im Schloßpark zu machen.“
„Was? um ſich Begeiſterung zu einem Liede zu holen, — oder um über die Reize der ſchönen Geraldine nachzu⸗ denken, wie! Mylord?“ verſetzte Bouchier.„Aber ich will Euch nicht zu boshaft ausfragen. Ich warne Euch nur, der Herne's⸗Eiche nicht zu nahe zu kommen. Man ſagt, daß der wilde Jäger gegen Anbruch der Nacht umgeht und alle, die er auf ſeinem Wege antrifft, verſcheucht, wenn nicht gar beſchädigt. Um das Curfew⸗Geläut muß ich das Schloß verlaſſen und dann werde ich mich mit Eurem Gefolge nach dem Hoſenband in der Themſeſtraße begeben, wo ich Eure Ankunft abwarten will. Wenn wir Hampton⸗Court gegen Mitternacht erreichen, wird es früh genug ſein, und da der Mond in einer Stunde aufgeht, ſo werden wir einen ange⸗ nehmen Ritt haben.“
„Empfehlt mich Bryan Bowntance, dem ehrbaren Wirth zum Hoſenbande,“ ſagte der Graf;„und laßt Euch einen Becher Sektmolken mit geröſteter. Brodſchnitte. um Euch die Zeit zu vertreiben.“
„Laßt mich nur machen,“ erwiederte Jener.„Und ich
bitte Eure Herrlichkeit, meine Warnung wegen des Jägers
Herne nicht zu vernachläſſigen. Scherz bei Seite, ich habe kürzlich ſonderbare Geſchichten über ſeinen Spuk gehört und möchte mich nicht ſonderlich gerne dem Baum nach Dunkel⸗ werden nähern.“
Der Graf lachte etwas ſkeptiſch und, nachdem der Haupt⸗ mann ſeine Warnung wiederholt hatte, trennten ſie ſich;— Bouchier ging den Weg zurück, auf dem er gekommen war, und Surrey ſchritt auf eine kleine Zugbrücke zu, die an der öſtlichen Seite des Schloſſes über den Graben führte und die Verbindung mit dem Kleinen Park herſtellte. Er ward von einer Schildwache an der Brücke angerufen und nach


