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„Ich verdiene nicht viel,“ antwortete er,„und muß überdies alle Abende Branntwein trinken.“
„Ich ſehe das ein, aber wenn wir unſer Ge— ſchäft machten, würdeſt Du alle Abende Dein Glas, ja Deine Flaſche Branntwein haben und Dich doch anſtändig kleiden können.“
Fritz ſtrich mit dem Rücken der Hand über ſeine Stirn.
„Höre, Johann,“ ſagte er,„Du haſt mir ſchon Geld verſchafft und ſeit ich es erhielt, leide ich noch viel mehr. Manchmal, wenn ich betrunken bin, möchte ich Dein Haus anſtecken, denn Du haſt mir das Blutgeld in die Taſche geſteckt. Ehe ich es annahm, war ich nicht ganz verdammt.. Nimm Dich in Acht,.. ich fühle, daß ich betrunken werde,.. geh' Deinen Weg..“
Der Weinſchenk rückte unwillkührlich ſeinen Stuhl zurück und ſah den alten Fritz von der Seite an. Trotz der Trunkenheit, die ſeine Kräfte unter— graben hatte, war er noch immer ſtark.
„Was ficht Dich an, alter Freund?“ ſprach er leiſe..„Ich möchte Dir gern etwas zuwenden.. Höre die Geſchichte an; ſiehſt Du, wenn Du erſt etwas Geld hätteſt, würde auch Dein Geſchäft beſſer gehen. Und wenn es Einem wohl geht, wenn man mit guten Freunden ißt und trinkt, lacht man über die kleinen Sünden der vergangenen Zeit.“


