Teil eines Werkes 
5. - 6. Bd. (1846) Der Sohn des Teufels. 5. - 6. Bd.
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Heute aber war Deniſe ſo verwandelt, daß die gewohnten Tränke eine ſchwere Aufgabe haben muß⸗ ten. Sie nicht und ſie ſprach kaum trotz der Anwe⸗ ſenheit ihres Bruders, deſſen Anblick ihr ein erzwun⸗ genes Lächeln abgedrungen hatte. Gleichwohl war Julian über ein Jahr abweſend geweſen und Gott weiß es, wie ſehr das Mädchen ſeine Rückkehr her⸗ beigewünſcht hatte.

Von Zeit zu Zeit ſchien ſie ſich plötzlich zu be⸗ ſinnen und ſtrengte ſich an heiter zu erſcheinen, aber vergeblich; es beherrſchte ſie ein niederdrückender Ge⸗ danke, den ſie nicht abſchütteln konnte.

Es giebt Mütter, die ſehr geſchickt das Geheim⸗ niß der Herzen ergründen; man könnte ſie Feen nen⸗ nen, die jenen Zauberſpiegel beſitzen, in welchem ſich jedes Geheimniß enthüllt. Es giebt aber auch an⸗ dere, welche das Band verdichten, das auf ihren Augen liegt und ſich ſo blind machen. Die Frau Vicomteſſe von Audemer würde ſich gegen Jeden ſehr erzürnt haben, der hätte ſagen wollen: Ihre Tochter liebt.

Julian war erſt vor einer Stunde angekommen. Er gehörte nicht zu den ſchärfſten Beobachtern und doch hatte er ſchon errathen, was ſeine Mutter nicht ſehen wollte.

Uebrigens war auch Julian ermüdet, zerſtreut, faſt verſtimmt. Das Vergnügen der Nacht hatte

V. 2