Das Geſicht der Vicomteſſe war ſanft und trug noch Spuren der Schönheit an ſich. Ihr blondes Haar lockte ſich um ihre Stirn, auf welcher ein auf⸗ merkſames Auge mit Mühe eine entſtehende Runzel entdeckt haben würde. Sie mußte in ihrer Jugend ihrer Schweſter Margarethe ähnlich geweſen ſein, nicht der Unglücklichen, die wir ſterben und auf dem Schmerzenslager liegen ſahen, ſondern der glück⸗ lichen Margarethe, als ſie noch der heitern Hoff⸗ nung ihrer ſchönen Jahre entgegenlächelte.
Margarethe war ſeit zwanzig Jahren nicht mehr. Diejenigen, welche ſie gekannt hatten, würden gleich⸗ wohl einige Aehnlichkeit zwiſchen den wohlerhaltenen Zügen Helenens und dem reizenden Geſicht der unglücklichen Frau von Bluthaupt gefunden haben.
Dieſe Aehnlichkeit wurde auffallend, wenn der Blick die Mutter verließ und auf die Tochter fiel.
Deniſe war, bis auf die Farbe des Haars, ein lebendiges Ebenbild ihrer Tante. Ihr jugendliches Geſicht hatte denſelben gutmüthigen milden Aus⸗ druck, dieſelbe Anmuth und denſelben Reiz. Wenn ſie lächelte, war es das Lächeln Margarethens.
Sehr wenige Perſonen hatten dieſe Aehnlichkeit bemerken können, denn das Leben Margarethes war in der Einſamkeit vergangen und hier befand man ſich in Paris, fern von Deutſchland, das ſie nie verlaſſen hatte. Diejenigen, welche ſie zufäͤllig be⸗
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