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unter einem Dache zu weilen. Die Pflichten einer großen Haushaltung, die Angelica nun einmal über⸗ nommen und in der Feſtigkeit ihres Willens nicht auf Andere übertragen wollte, ließen ihr keine Muße, ge⸗ nauer den Beweggründen nachzuſpüren, die ihre Leh⸗ rerin aus ihrer Nähe getrieben, ich ſelbſt ſchob jede nähere Erklärung bis zu einer ruhigeren Stunde hin⸗ aus. Genügten doch die Umſtände, wie ſie vor den Blicken Aller lagen, zur Rechtfertigung des Entſchluſſes, den Lavinia ergriffen. Nach der Scene in der Biblio⸗ thek hätte ſie kaum einen andern Ausweg wählen können.
Darum überraſchte es mich, als ich nach einigen Tagen einen Brief von ihr erhielt, in dem ſie auf die unſelige Begebenheit zurückkam. Wie arg und unheil⸗ bar vermag der Fanatismus und die Rachſucht, wenn ſie das Gewand der Religion annehmen, das Herz und den Geiſt auch eines ſanften, ſtillen und in ſich gekehrten Weibes zu zerrütten!„Gott“, ſchrieb La⸗ vinia,„Gott hat den Mörder gerichtet, ihm ſei Chre und Ruhm immerdar! Mich hatte er zu dem Werk⸗ zeug ſeiner Strafe auserſehen, ich danke ihm.“ In dieſem leidenſchaftlichen Tone ging der Brief noch lange fort— zu ſeiner Entſchuldigung mußte ich mir ſagen, daß alle Fibern des Mädchens noch unter dem


