Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Zur Hälfte haſt Du meine Stimmung errathen, mich beſchleicht ein eigenes Gefühl der Genugthuung, daß meine verehrte Freundin meine Weiſſagung durch ihre Liebenswürdigkeit noch übertroffen hat. Aber dies Gefühl entſpringt nicht aus Citelkeit, das Fräulein richtiger als Du beurtheilt zu haben, ſondern aus der Freude, daß Dir dieſer Schatz von Huld und Güte zu Nutzen kömmt.

Und was ſagteſt Du, wenn ich ihn ſchon inmal in Anſpruch genommen?

Daß Dir das Geſchick mehr als billig zürnt oder wohl will.

Geſprochen wie die Pythia zu Delphi! Das Orakel des Bürgermeiſters bleibt in Ehren, wie die Sache auch enden mag.

Du ſelbſt haſt mich über den Ausgang beruhigt; geräthſt Du auch immer tiefer in die Schuld des Fräu⸗ leins, es iſt keine tragiſche.

Halt, Beſter! Das eben iſt die Frage. Seit ich hier liege zugegeben, daß ich weich gebettet liege quält ſich mein Gewiſſen mit dieſer Frage. So oft Ottilie eintritt, erleide ich etwas wie eine moraliſche Folter

Hoffentlich ohne große Schmerzen, bemerkte Ottokar lächelnd.