Teil eines Werkes 
2. Bd. (1871)
Entstehung
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Die Liebe Helenens hätte ihn freilich wieder mühelos und leicht auf den Gipfel des Glücks erheben können, aber liebte ſie ihn? In der Lebhaftigkeit und dem Feuer ſeiner Couſine, die eine unwiderſtehliche Anzie⸗ hungskraft auf alle Männer ausübte, lag doch auch etwas Unberechenbares. Ein Hang nach dem Seltſamen und Ungewöhnlichen, das ihren weltunerfahrenen Augen zugleich als die wahre Poeſie des Lebens erſchien, drängte ihre Phantaſie in die Weite und beſchäftigte ſie mit andern, gleichſam höheren Geſtalten, als die waren, welche ihren Verkehr und ihre Umgebung bildeten. Heute fielen dieſe Betrachtungen beſonders ſchwer auf Viktor's Herz. Es iſt doch Alles vergeblich, ſagte er ſich; ſie liebt Dich nicht, Du biſt ihr nicht romantiſch genug. Wozu dieſe Bemühungen? Willſt Du wie Jakob ſieben Jahre um Rahel werben, um zuletzt dennoch abgewieſen zu werden? Als ob Du auch noch in dem Alter wäreſt, ſieben Jahre verlieren zu können! An die Arbeit, Freund Viktor! lerne entſagen; Hundert⸗ tauſend müſſen es, thu's freiwillig, noch kannſt Du es mit Anſtand.

Biſt Du ſtumm geworden, Vetter Viktor? unter⸗ brach ſie in luſtigem Uebermuth dieſen Gedankengang. Ich merk' es ſchon, dem hohen Herrn mißfällt es, daß ich die Zügel führe.

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