Leib eine Unmöglichkeit ſei, da es gar keine Seele gäbe. Das iſt für Schulknaben gut. Wer in die Natur mit offenen Augen blickt, erkennt vom Kleinſten zum Höchſten einen Dualismus in ihr. Zwieſpältig iſt Alles, iſt auch des Menſchen Weſen. Sehen Sie dies Bild an“,— er zeigte auf eine große, vortrefflich gelungene Photo⸗ graphie Cöleſtinens, die in ſchwarzem Ebenholzrahmen an der Wand hing, und ſeine philoſophiſche Ruhe ſchlug in die heftigſte Leidenſchaft um—„iſt es ein Engel, ein Dämon?“
„Es iſt eben ein Weib, das Sie...“
„Nun? Das mich—?“ unterbrach er mich mit einem Aufſchrei der Wuth.
„Das Sie lieben“, entgegnete ich kaltblütig.„Doch ſchwerlich ein geeignetes Beiſpiel, um daran den Dualis⸗ mus des Menſchen zu ſtudiren.“
„Und wie habe ich ſie geliebt!“ rief er aus. Mein Denken, mein Empfinden, mein Handeln: Alles, Alles
richtete ſich auf ſie allein! Sie können es in dem gleich⸗ mäßigen Verlauf eines Gelehrtenlebens nicht erfahren haben, was es heißt, ein Ideal höchſter weiblicher Voll⸗ kommenheit mit ſich zu tragen, durch die wüſte Zügel⸗ loſigkeit des Soldatenthums, das Treiben des Lagers, durch Staub und Dampf des Schlachtfeldes! Im Herzen eine ſüße und doch ſchmerzliche, eine beglückende und


