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Meine Mutter iſt eine Frau von vielen Ver⸗ dienſten, voller Zaͤrtlichkeit fuͤr mich; und ſie hat ſich ohne Widerſpruch, meine erſte Erzie⸗ hung ſehr angelegen ſeyn laſſen: aber in der zu großen Sorgfalt hat der Fehler gelegen. Ich war, wie Sie wiſſen, der einzige Sohn, und ich habe meinen Vater noch als Kind verloren; und die verſtaͤndigſte, geiſtreichſte Frau kann ohne Beihuͤlfe eines Mannes einen einzigen Sohn nicht gut erziehen; je mehr ſie dieſen Sohn liebt, um deſto ſchlechter geht es, ohne daß ihre Zaͤrt⸗ lichkeit thoͤricht oder laͤcherlich waͤre. Zu eifrig, zu aͤngſtlich thut ſie immer mehr, als ſie ſollte. Meine Mutter hat viel zu viel Sorgfalt auf mich verwendet; ſte hat mir zu viel vorgeſagt, mir zu viel gelehrt, mir zu unablaͤſſig die vorzeitigen Klugheitsregeln wiederhohlt: ſte war ſo in Furcht, mich etwas Einfaͤltiges ſagen oder thun zu ſehen, daß ſie mir jedes Wort einbließ, mir in Allem die Hand fuͤhrte. Ich wuchs heran indem ich nur mit ihren Augen ſah, mit ihren Ohren hoͤrte⸗ mit ihrem Geiſte urtheilte, ſo daß man zuletzt Augen, Ohren, Urtheil an mir vermißte. Als ich mein dreizehntes Jahr erreicht hatte, fing meine Mutter an zu glauben, ich waͤre fuͤr mein Alter nicht Mann genug, ich haͤtte in meinem


