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„Freilich bin ich's,“ ſagte die Jüdin zwiſchen freu⸗ digem Lachen und ſcheuem Umblicken, indem ſie rück⸗ wärts gehend ſich dem Gedränge zu entziehen ſuchte; „ſeit einer Stunde bin ich Euch nachgegangen, Boles⸗ law Oſinski; iſt nicht heute Euer Geburtstag? Ich denke, Ihr nanntet mir neulich das heutige Datum“.
Boleslaw dankte ihr für die freundliche Spende, die erſte, welche ihn an den Tag ſeiner Geburt mahnte.
„Ich habe Euch Allerlei zu klagen,“ ſagte ſie, „Schlimmes, ſehr Schlimmes! Aber zuerſt: bleibt Ihr denn jetzt wieder in London? Es war nicht ſchön von Euch, Boleslaw Oſinski, ſo ohne Abſchied wegzureiſen.“
„Wegzureiſen?“
„Ihr wart doch in St. Petersburg“.
„Ich?“
„Seit zwei Wochen“.
„Ich war keine Stunde von London abweſend. Wenn Ihr mit Eurem Orakel⸗Dreifuß nicht auf Wan⸗ derſchaft geweſen wäret, ſo hättet Ihr mich ſchon öfter geſehen“.
„Ich auf Wanderſchaft?“
„In Bath, Dover u. ſ. w.“.
Zipora wurde hochroth.„Der Lügner“! rief ſie, „ſperrt er mich in Pepper Street zu einer alten Hexe
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