Eines Abends hatte Boleslaw, mit einem ihm be⸗ kannten Journaliſten in politiſche Controverſen ver⸗ wickelt, eine Menge Londoner Straßen durchwandert, als er, faſt ohne daran zu denken, endlich ſeinen Weg allein fortſetzend, ſich von den kühlen Schatten des botaniſchen Gartens umfangen ſah. Eine Reihe von Regentagen war vorausgegangen. Zum erſtenmale ſeit dem Mittag hatte heute die Sonne wieder ihre ſtrah⸗ lende Oberherrlichkeit geübt. Alle Blätter, alle Gräſer, alle Blumen ſtrömten Düfte aus. Die Luft war ein einziger Wohlgeruch.
Als Boleslaw inmitten der aus⸗ und einwogenden Luſtwandler tiefaufathmend ſtille ſtand, ſah er ſich von einem barhaupten, trödelartig buntgekleideten Mädchen angeſprochen, auf deſſen einer Schulter zwei ſchneeweiße Täubchen ſaßen; ein junges roſtbraunes Eichkätzchen kletterte um ihren Nacken; in der Hand hielt ſie ein paar halb offene Centifolienknoſpen.
Es gibt in London zahlreiche Kleinhändlerinnen dieſer Art und ihre Zudringlichkeit ſorgt dafür, daß man ſich raſchmöglichſt von ihnen freizukaufen ſucht.
„Hier,“ ſagte Boleslaw, die Roſen der Verkäuferin ab⸗ nehmend und ihr im Weitergehen ein Geldſtück reichend. Aber ſtatt es anzunehmen, verbarg ſie ihre Hände hinter dem Rücken, und jetzt erſt erkannte er Zipora.


