Teil eines Werkes 
2. Bd. (1870)
Entstehung
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Weiteres eingeſtellt würden, daß der Graf überhaupt ſeine Zuſtimmung gebe. Seit ſie den Vater von dieſer ihrer Zuſage in Kenntniß geſetzt und nur eine zerſtreut ausweichende Antwort von ihm erhalten hatte, waren ihre Lippen wie verſiegelt.

Freilich mochte ſie einen anderen Dank für das von ihr beabſichtigte Opfer erwartet haben. Es hatte ſich in dem Grafen ſeit einigen Tagen in der That eine nicht oberflächliche Verwandlung vollzogen. Bekanntlich iſt das Hazardſpiel unter dem polniſchen Adel ſehr ver⸗ breitet. Die ritterlichen Eigenſchaften dieſes Standes vertragen ſich in Polen wie auch ſonſt hie und da

nicht eben ſonderlich mit dem Handwerkszeuge bürger⸗

lichen Erwerbfleißes, dagegen ganz vortrefflich mit Würfel, Becher und Karte. Nun hatte auch in der Seele des Grafen die Spielneigung während ſeiner erſten Ehe mehr im Schlummer gelegen, als völlig gefehlt. Bevormundet von einer ihm nach mancher Seite überlegenen Perſönlichkeit, war er zuvor ohne ſonderliche Selbſtüberwindung in dem ſtreng abge⸗ meſſenen Geleiſe eines bedächtigen Familienvaters ver⸗ blieben. Sobald jedoch jener ihn beſtimmende Einfluß aufhörte, mußte die Gefahr eintreten, daß neben den nur halb entwickelten männlichen Eigenſchaften ſeiner Natur auch ſolche wieder zum Durchbruche kamen, ohne