Das undankbare Volk.
Die Hofpartei war bisher durch die Liſt des Herzogs von Arcos im Stande geweſen, in einem Theile der Stadt ihre Ge⸗ walt zu behaupten und den adligen Familien Schutz zu gewäh⸗ ren, die ſo klug geweſen waren zu rechter Zeit im Caſtel Nuovo eine Zuflucht zu ſuchen.
Die Zahl der Edelleute, welchen man dort einen zeitweiligen Aufenthalt geſtattete, konnte nicht groß ſein, und die Uebrigen ſuchten ſich, wie wir es auch zum Theil unſern Leſern vorge⸗ führt haben, in den Klöſtern oder in den Trümmern alter Pa⸗ läſte zu verbergen und ſchätzten ſich glücklich, ihr Leben und die Hoffnung auf beſſere Zeiten erhalten zu können.
Niemand kannte beſſer als der Statthalter die Schwäche ſeiner Partei und er wunderte ſich täglich, daß der Pöbel ſo thöricht war, ihn nicht in's Verderben zu ſtürzen, da nur unbe⸗ deutende Anſtrengungen nöthig geweſen wären, ihn in ſeiner Veſte aushungern zu laſſen.
So lange Maſaniello bei geſundem Berſtande geweſen war, hatte er ſeine ganze Thatkraft darauf gerichtet, das Volk zu einiger Ordnung zu bringen, und die günſtigen Erfolge erwie⸗ ſen ſeine genauen Kenntniſſe des Volkscharakters und ſeine eigene Feſtigkeit und Entſchloſſenheit.
Zu ſehr beſchäftigt, ſeine Freunde im Zaume zu halten und die Feinde zu beſtrafen, die in ſeine Hand fielen, ſchien Maſa⸗ niello den Herzog von Arcos vergeſſen zu haben.
Sein Verſtand begann ſchon zu wanken, als er freund⸗ ſchaftliche Anträge von dem Statthalter erhielt, der ihn in ſei⸗ ner Befehlshaberwürde förmlich beſtätigte.
Dieſer Verkehr zwiſchen den beiden Gebietern der Geſchicke der Stadt wurde von Maſaniello mit ehrlicher Aufrichtigkeit, von dem Statthalter dagegen mit Lug und Trug unterhalten,
und die Folge war, daß die wenigen Stunden, welche die Natur Maſaniello's Leben noch vergönnt haben würde, ihm durch Mör⸗
derhände entriſſen wurden.*


