Teil eines Werkes 
3. Bd. (1865)
Entstehung
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Leonore hatte ſich in ihrem Gemache mit Hilfe ihrer Frauen ſo gut als es nur gehen konnte, für eine Nacht eingerichtet.

Das nöthige Geräth und leichte Matratzen wurden nämlich zu jener Zeit in dieſer Gegend Italiens, wohl auch heute noch von jedem Reiſenden auf Maulthieren mit ſich geführt.

Der vorher ſtattgehabte Lärm war zu ihr gedrungen, allein er hatte ihr an Schrecken gewöhntes Gemüth wenig beläſtigt, nichtsdeſtoweniger aber war dies von andern Regungen bewegt, ihr Geiſt weilte bei Giulio.

Sie hatte in der Grotte, wie es ſchien, auf ewig Abſchied von ihm genommen, und als ſie dieſelbe verlaſſen, war der ge⸗ liebte Mann in die Ferne verſchwundem

Sie hatte die Reiſe nach Coſenza ſchon öfter gemacht, aber niemals blickte ſie ſo ängſtlich, ſo traurig als heute auf die tie⸗ fen Thäler und Pfade, die ſich durch die Gebirge der Appeninnen dahinzogen.

Bei der hohen Lage der Oſteria ſah ſie, als ſte hinausge⸗ gangen war, um die erfriſchende Abendluft einzuathmen, unter ihren Füßen die zahlloſen Bergkuppen und tiefen Einſchnitte der Landſchaft ſich ausdehnen bis zu den fernen, unerſteigbaren Höhenzügen, wie ein im Sturmgebrauſe verſteinertes Meer.

Die wenigen Städte, Dörfer und Burgen, die man von hier aus überſehen konnte, lagen Alle auf unerklimmbaren Hö⸗ hen, von feſten Mauern umſchloſſen.

Die Thäler waren von reißenden Bergſtrömen und rollen⸗ den Felsſtücken gefüllt und jede menſchliche Kultur ſchien hier ein Ende zu haben.

Nur in rauher Wildheit beherrſchte der Menſch dieſe Wüſte, und einſam ſtand dort auf einem ſenkrechten Felſenkegel ein zot⸗ tig bekleideter Ziegenhirt neben einem künſtlichen Holzkreuze, welches die Stelle bezeichnet, wo erſt kürzlich ein Raubmord verübt worden war.

Von einem unwillkürlichen Schauder ergriffen, eilte ſie in das Haus und ſuchte ihr Lager auf, um die Ruhe zu ſuchen, deren ſie ſo ſehr bedurfte.

Es war ſchon Nacht, als eine männliche Geſtalt an die Thür der Oſteria pochte, bald erſchien der fluchende Wirth.

Als dieſer aber den Einlaß begehrenden Gaſt mit der Lampe näher betrachtet hatte, war jede Spur von Unmuth verſchwun⸗

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