Teil eines Werkes 
3. Bd. (1865)
Entstehung
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In der Oſteria.

In der eigentlichen Räuberprovinz von Calabrien, zwiſchen Caſtrovillari und Coſenza, acht Miglien von Nicaſtro, liegt auf der Höhe eines ſteilen Felſens eine kleine Stadt, die nur aus vier bis fünf elenden Häuſern beſteht und den Namen Aritozza führt.

Die einzige Oſteria(Wirthshaus) dieſes Orts iſt zwar nicht ſchlechter als beinahe alle übrigen in dieſer wüſten und öden Landſchaft ſind, aber doch charakteriſtiſch genug, um das Bild eines Volkslebens zu liefern, wie es Cervantes und Walter Scott oft mit ſo treuer Naturwahrheit gezeichnet haben.

Von der Straße kommend, trifft man zuerſt, ſo zu ſagen, auf die Ehrengarde des Hauſes.

Dieſe beſteht aus abgemagerten Hunden und zerlumpten Bettlern, die ſich einander die Ehre ſtreitig machen, zunächſt der Hausthür zu liegen.

Letztere, mit Stöcken und Steinen verſehen, pflegen dann den Sieg davonzutragen und liegen ſo nahe an der Schwelle, daß man über die zur Schau ausgelegten Beulen an den nack⸗ ten Armen und Beinen dieſer ſchwarzbraunen, frechen Kerle erſt hinwegſteigen muß, ehe man in das innere Heiligthum der Oſteria ſchreiten kann.

Dieſes iſt ein mäßig großes viereckiges Zimmer mit einer Decke, die aus dem etwas ſchiefliegenden Dache beſteht.

Die Malerei deſſelben hat mehr Aehnlichkeit mit einer Ca⸗ mera obſcura als mit einer menſchlichen Wohnung.

Das Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 1.) 41