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— Und wozu mir dieſe Weiſung?
— Ihr Aufenthalt iſt hier gefährdet; fliehen Sie, ich kann Sie nicht ſchützen. 8
— Was habe ich denn eigentlich verbrochen, daß man mir ſo plötzlich nachſtellt.
— Ihre Liebe zu der Tochter des Vicekönigs hat Veran-⸗
laſſung gegeben, die verſchiedenartigſten Gerüchte zu verbreiten. — Ich werde Neapel verlaſſen und bin gekommen, dies Dir zu melden, Fiſcher von Amalfi.
— So hatten Sie dieſen Entſchluß ſchon früher gefaßt? fragte Maſaniello aufmerkſam.
— Ja, guter Maſaniello, ich will einen Schritt für das Wohl Neapels thun, der wohl von größerem Erfolg ſein wird, als Euer Morden, Sengen und Brennen— ich bin nur zu Dir gekommen, um Dich als das Volkshaupt zu bitten, die Prinzeß, falls das Verhängniß ſie in Eure Gewalt führt, vor Rohheiten
zu ſchützen.
— Sie waren mir einſt gefällig, Prinz Caraffa, und ich
will daran denken, bereits rettete ich Sie aus dem Caſtel Nuovo— ich hoffe auch der Prinzeß nützlich ſein zu können— doch allmäch⸗ tig bin ich nicht— iſt das Volk einmal von dem Fanatismus der Empörung ergriffen, dann können ſelbſt ſeine Lenker es nicht immer zügeln— wann reiſen Sie? — Noch vor Tagesanbruch. — Nach Madrid? ⸗ — Woher iſt Dir dies bereits bekannt? — Ich erfuhr es heute.
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— Lebe wohl, Fiſcher von Amalfi! rief er haſtig und eilte
zur Thür hinaus.
Voll bitterer Gefühle ſtürzte Giulip durch die jetzt verödeten Straßen und erreichte erſchöpft den Palaſt ſeines Vaters. igEr hatte indeſſen nicht bemerkt, daß ihm ein Menſch gefolgt war, welcher ſchon vor Maſaniello's Hütte gelauſcht und wohl jedes Wort verſtanden hatte, was dort geſprochen wurde.
Als Giulio in den Palaſt verſchwunden war, wartete der Mann einige Augenblicke und ſtürmte dann davon, wie wenn er einen Vorſatz ſchnell ausführen mußte— es war der Gettatore


