Teil eines Werkes 
[1. Bd.] (1865)
Entstehung
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mumr(§86

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Ereigniſſe wohl eine andere Anſchauung gewonnen haben wird, überreden, dem Volke ſein Recht zu geben.

Damit es plündern und morden kann? rief der Alte, der vor Wuth zitterte.

Verzeihen Sie, Excellenz, wenn ich das Wort nehme, fiel Giulio ein, aber ungerechtfertigten Aeußerungen gegenüber iſt es meine Pflicht, zu ſprechen. Das Volk will weder plün⸗ dern, noch morden, ſondern nur ſein Recht. Ich bin Edelmann gleich Ihnen, aber kann trotzdem nicht die Binde vor die Augen legen, um nicht zu ſehen, wie ſehr das Volk bedrückt iſt von einer fremden Regierung und wie ein einheimiſcher, knechtiſch geſinnter Adel, der die Erniedrigung ſeines Vaterlandes und die Erpreſſung, die man an ſeinen Landsleuten und Brüdern übt, mit Beifall billigt, nur um einem ränkevollen, habſüchtigen und despotiſchen Regiment zu huldigen. Statt daß der neapolita⸗ niſche Edelmann ſich mit dem Volke erhebt, um mit ihm ge meinſam das ſpaniſche Joch abzuſchütteln, flieht er, oder verkriecht ſich hinter die Schießſcharten ſeiner Burgen. Sie ſprechen von Plünderung und Mord, fragen Sie ſich, ob die Regierung nicht mehr geplündert und gemordet hat als das Volk legen Sie die Hand auf's Herz und geben Sie ſich die Antwort darauf. Die Exceſſe dieſer Nacht rühren nicht von dem Volke, ſondern von einer Räuberrotte her. Sie ſelbſt haben ſoeben Beweiſe gehabt, daß es hochherzige Männer giebt, die das wehrloſe Un⸗ glück beſchützen, jene befreiten Verbrecher und Bettler, welche die Revolution benutzen, um allerdings ihrer Raubſucht zu fröh⸗ nen, unſchädlich gemacht haben was alſo, verzeihen Sie mir die Frage, wäre aus Ihnen geworden, wenn die Männer der Todesgeſellſchaft Ihnen nicht durch ihre Dazwiſchenkunft bewie⸗ ſen hätte, daß ſie Brand und Mordgelüſte nicht dulden? Sie ſind Spanier, Sennor, können alſo keine Sympathie für Neapels Unglück haben wenigſtens aber ſollten Sie dieſes Unglück nicht dem Volke, ſondern ſeiner elenden, argliſtigen und despoti⸗ ſchen Regierung zur Laſt legen.

Tortoſa war von dieſer Aeußerung ſo betroffen, daß er einige Augenblicke ſprachlos blieb.

Seine Stirn hatte ſich in finſtere Falten gezogen ſein Blick wurde drohend und heftete ſich durchbohrend auf Giulio.

Hier ſteht die Tochter des Vicekönigs von Neapel, be⸗