Auf dem Platze del Carmine.
Ein bewegtes Schauſpiel zeigte ſich auf dem Mercato del Car⸗ mine(Marktplatz) in Neapel. Zahlreiche Buden erſtreckten ſich in langen Reihen.
Auf dem Boden ſaßen Männer und Frauen mit Fruchtkör⸗ ben, welche ſie zum Verkaufe anboten; an einer andern Stelle lagen die braunen Lazzaroni zu Tauſenden bei einander und fingen die Sonnenſtrahlen auf, die offene Bruſt mit einem leinenen Hemde und ſonſt nur mit kurzen Hoſen bekleidet. Sie hätten ſich wohl gefühlt, wäre Alles wie ſonſt geweſen; ſtatt aber wie zu andern Zeiten im ſtummen Fingerſpiele und mit lebhaften Geberden ihre Morra zu ſpielen oder mit hochgeſchwungenen Armen die Ellen langen Maccaroni in den weit aufgeriſſenen Mund hin⸗
einlaufen zu laſſen, ſtierten ſie jetzt mit ihren ſchwarzen Augen auf ein Gebäude, welches überhaupt die Aufmerkſamkeit des gan⸗
zen Volkes auf ſich lenkte; es war aus Stein und beſtand nur aus zwei bis drei Gemächern.
Das ſpaniſche Reichswappen über dem Eingange bezeichnete es als ein öffentliches Gebäude und das Gedränge geſchäftiger uniformirter Beamten vor den Thüren, die dem Volke noch ver⸗ haßter waren, als die Soldaten, deutete an, daß hier die Steuer⸗ einnahme war. 8 8
Eine langjährige Erpreſſung hatte den Lebensſaft des Vol⸗ kes von Neapel ausgeſogen und es ſeiner körperlichen wie gei⸗ ſtigen Kraft beraubt, ſo daß ihm kein Muth mehr übrig ſchien, ſich ein beſſeres Loos zu ſchaffen. 5
5 1**


