Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1844)
Entstehung
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ſucht ſein können, zu glauben, Leiler ſei auf gleiche Art wie ein moderner Reiſender beſchäftigt, während einer

Fahrt auf einem Kanale jede Stelle man paſſirt, auf der Landkarte nachzeigt. Endlich legte er das Papier hinweg, klopfte die Pfeife aus, und blieb mit gekreuzten Armen und ſtarren Blicken in tiefe Gedanken verſunken ſitzen; aber in welchen Geſtalten ſich dieſe auch darſtellen mochten, die des Friedens und Lichtes konnten es nicht ſein; denn immer dunkler ſchwebten die Wolken über ſeine Stirne und immer herber zog ſich die Falte am Augen⸗ winkel zuſammen.

„Die großroſigen Umhänge fehlen,“ murmelte er beinahe tonlos;„der fromme Engel der Unſchuld hat dafür die weiße Farbe gewählt, ha! man ſchläft nicht gut hinter den weißen Gardinen, wenn die Seele nicht ebenfalls auf dem Bette des Lichtes ruht. Aber regt ſich nicht etwas draußen auf der großen, öden Bühne? Kein lauſchendes Ohr darf hieher dringen.“ Leiler ſtand auf und ging zur Thüre, die er langſam und nur ein wenig öff⸗ nete, draußen war jedoch Alles ruhig und ſtille wie im Grabe; nur hie und da ſpielte ein Windhauch von den offenen Dachfenſtern herein durch die langen Reihen der Feſtröcke der Mägde. Ein leichter Schauer flog durch Leilers Seele. Es kam ihm vor, als ob all' dieſe ſchwar⸗ zen Kamelotmaſſen mit den darüber gehangenen weißen Schürzen etwas Verwandtes mit geſpenſtigen Dunſtbil⸗ dern hätten, die ihm ihren Morgengruß zuſchickten.

„Das iſt ein dummer und närriſcher Gebrauch, die

Wände ſo zu zieren,“ dachte er ärgerlich.„Wenn man

bedenkt, daß alle dieſe äußeren Gewänder, die jetzt wie elende Miſſethäter an Galgen aufgehängt ſind, noch vor kurzer Zeit Weſen umſchloſſen, in deren Innerem eine

Seele raſtlos wie in einem Gefängniſſe umher ſtrebte,*

daun könnte man meinen, jede Larve habe in ſich ein

heiliges, oder wenigſtens etwas Rohes, das dem Organis⸗ mus des Geiſtes wehe thue, in dieſem Aufhängen unſe⸗ *

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