Sprößling des hohen Hauſes einführen, den Majo⸗ ratserben, Grafen Albano von H. E
„Will meine Mutter und Tante ausfahren?“ fragte der Graf und warf ſich nachläſſig in eine Divanecke.
Auf ein paar Stunden, mein lieber Albano,“ er⸗ wiederte die Gräfin beinahe ſchmeichelnd, und in dem Tone ihrer Stimme lag Etwas, das bewies, daß es eine ſchwache Mutter war, die mit ihrem vergötterten, aber der Vergötterung ſatten Sohne ſprach.
„Meine Tochter wird Dir Geſellſchaft leiſten,“ bemerkte die Baronin von Rawenſtein mit dem ſüßeſten Lächeln.„Und ich glaube, ſie thut es recht gerne,“ ſetzte ſie in einem noch lauteren Tone hinzu, da das Stillſchweigen des Grafen eben ſo gut einer kleinen Schwäche der Gehörorgane als ſeiner gewöhnlichen Zerſtreutheit zugeſchrieben werden konnte.
„In dieſer Hinſicht ſollte man ihr durchaus keine Pflichten vorſchreiben,“ verſetzte Albano trocken;„ich liebe überdieß keine erzwungene Geſellſchaft.“
„Da iſt wieder eine Schraube in Unordnuug,“ flüſterte die Baronin ihrer Schweſter zu, und als ob
ſie die Antwort des Grafen nicht gehört hätte, machte
ſie eine große Schwenkung im Zimmer umher nach Hut und Handſchuhen. Die Gräfin ſchellte: und die Kammerjungfer trat mit den noch verbrämten Seiden⸗
mänteln herein. Man warf ſie um und verſchwand
bald durch das Muſikzimmer. Graf Albano war aufgeſtanden, um ſich pflicht⸗ ſchuldigſt vor ſeiner Mutter und Tante zu verbeugen;
dann aber ſetzte er ſich wieder in der bequemſten Stel⸗ lung, die er zuwege bringen konnte. Dieß war jedoch einer der ſeltenen Fälle, wo er ſich eines Mangels an Aufmerkſamkeit gegen ſeine Mutter ſchuldig machte, und ſie nicht die Treppe hinab begleitete; es mußte alſo ein Grund vorhanden ſein, der ihn ſowohl die 4
Anforderungen der Sitte, als die Pflichten des Sohng vergeſſen ließ. 7 Indeſfen wurden einige halblaute Worte dr
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