442 Einundzwanzigſtes Kapitel.
in der That der Hort ſeiner deutſchen Landsleute iſt. Seit längeren Jahren in Gibraltar, verheirathet mit der liebenswürdigen Tochter eines reichen ſpaniſchen Hauſes, findet man bei ihm und ebenſo im Hauſe ſeiner Schwiegereltern, der Familie L., die vollſte ſpaniſche Gaſtfreundſchaft, wie ſie, fern von Zwang und beengender Etikette, nur eben dieſe noble prächtige Nation zu bieten vermag. Mitten in dem nüchternen Gibraltar iſt das Haus des Herrn L. wie eine Oaſe in der Wüſte, ein Stück andaluſiſches Leben. Hier findet man auch wieder den kleinen reizenden Patio mit fri⸗ ſchem Waſſer und blühenden Blumen, und in den gaſtlich ge⸗ öffneten Sälen einen Kreis blühender Töchter, die ſo freundlich waren, uns, die wir ſo ſchmerzlich an das für uns verlorene ſpaniſche Paradies dachten, durch vortrefflich vorgetragene anda⸗ luſiſche Lieder das ſchöne Land wieder herbeizuzaubern.
Herr Schott war ſo freundlich, uns zur Alameda von Gibraltar zu geleiten, indem er uns lächelnd verſicherte, die Schönheit derſelben würde uns gewiß mit dem kalten Anblick der Stadt verſöhnen, und darin hatte er vollkommen Recht. An den Feſtungsthoren, durch welche wir die Stadt auf der ſüd⸗ lichen Seite erſtiegen, ſieht man noch deutlich den kaiſerlichen Adler Karls des Fünften. In kurzer Zeit befanden wir uns außerhalb der eigentlichen Gräben und Wälle, an welche ſich die Hafendämme mit ihren furchtbaren Batterien zu unſerer Rech⸗ ten anſchließen, ſo eine drohende Kette Geſchütze des ſchwerſten Kalibers bis zur Oſtſpitze bildend. Zwiſchen dieſem Hafendamme und der rechts aufſteigenden Felſenwand befindet ſich nun die Fläche, welche der Paſeo von Gibraltar einnimmt. Der eigentliche Garten iſt klein, aber von wunderbarer Schönheit; ein ſehr ge⸗ ſchickter Gärtner hat das unten ſanft gegen den Felſen anſteigende Terrain meiſterhaft zu benützen verſtanden, überall verſchlungene Wege angebracht, die jetzt durch Lorbeergebüſch, dann durch un⸗ geheure Roſenlauben, deren eine ſich ſeltſamerweiſe über die weißen Rippen eines Wallfiſches wölbt, über zierliche Brücken hinweg von Terraſſe zu Terraſſe ſteigen, überall eine neue herrliche Aus⸗


